20 Jahre Wall-StreetGallery 1986 - 2006

An keinem anderen Ort als hier in der Wall-StreetGallery wird seit 17 Jahren der wundersame Fall
der Berliner Mauer thematisiert, zelebriert und gefeiert.

  Wir schreiben das Jahr 1986

Glasnost und Perestroika klopften an die Mauer, aber
so recht hinhören wollte hier fast niemand.

In einer Zeit, in der DENK-ZEICHEN und ziviles Handeln gefordert
wurden, verharrten und kristallisierten die der Mauer zugewandten
Institutionen in kalten Kriegs-Positionen und das Klopfen blieb fast
unerhört.

Ich eröffnete die Wall-StreetGallery als ein heilsames Vorgehen
bezogen auf geistige Versteinerungen, in dieser durch die
MAUER-WUNDE beschädigten Stadtlandschaft,-
und somit als vertrauensbildende Maßnahme.

Der alte Kunstbegriff stellte sich in Frage:
KUNST war neu zu begreifen und schuf Zwischenräume
in der ZIMMER-STRASSE, zwischen den beiden
supermächtigen Blöcken.
 
 
 
 
 
 
 
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Licht auf die Mauer

Allnächtlich war ein Halogen-Strahl, - von der Gallery ausgehend,-
so auf die Mauer gerichtet, daß die von der „Brigade Helles Berlin“
installierte Grenz-Beleuchtung in diffuses Grau absank.

Die Conzentrik der Gallery richtete sich auf die 36qm Mauer
direkt vor dem Schaufenster,- visualisierte den Mikrokosmos
des Mensch-Werdens angesichts der Mauer.

So waren das Entzünden von Licht und Entzünden der Wunde EINS.

Die Gallery projizierte Atelier-Geschehen nach draußen.
Das große Schaufenster bot und bietet Ein- und Ausblick zugleich.
Eine Renaissance der Lebensfreude,- gestützt und inspiriert vom
chinesischen Buch der Wandlungen, dem I GING,- zog ein
in die Mauerspalte
*.

Die tägliche Standortbestimmung: „steh´ ich vor oder hinter der Mauer“,
wurde Übung für geistige Beweglichkeit.

So entstand ein kommunikativer Ort, - anders als die Löcher, Schlitze
oder Fensterchen in Brandmauern geschlagen, mit Video-Überwachung,
wie z.B. 100m weiter am Check-Point-Charlie.
Im Laufe dieser Zeit wurden selbst die Soldaten der beteiligten Armeen
zu Freunden der Gallery.

* Nr. 18, GU - Die Arbeit am Verdorbenen ist auch der Titel meines Buches über diese Zeit,
und ist hier zu bestellen. 15.- €

 

Licht durch Öffentlichkeit

Der befreite Dialog mit der Substanz des Öffnens durch eigene
Beobachtungen, ermöglichte das gallery-immanente
Abrissunternehmen für innere geistige Versteinerungen.

Die Demokratiefähigkeit der Wall-StreetGallery wurde in den
Jahren ´86 - 89 arg auf die Probe gestellt,- im damaligen
„Korridor der Demütigungen“.

Ein wesentliches Phänomen der Berliner Mauer war der
bereits damals einsetzende “Mauer-Tourismus“ zwischen
Brandenburger Tor und Check-Point Charlie.
Dieser internationale flow war und ist eine rezeptive Kraft
die große demokratisierende Betrachtungen, Dialoge, Ventilationen,
Ausdrucksformen und Handlungen erforderte und möglich machte
und macht.

Kunst im öffentlichen Raum - Kunst als öffentlicher Raum -
folgt eigenen Gesetzmäßigkeiten.
Es ist ein Gebot der Vernunft, dem positiven, dem freiheitlichen
Aspekt, der sich durch das Zerbröseln der Berliner Mauer
mit derselben verbindet, einen öffentlichen, kreativen Raum
zu geben und damit das Defizit an noch Authentischem
auszugleichen.

   
   
   
 
   
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